Manchmal ist kein Strom ein echter Segen: Unser wunderschönes Geodomzelt steht direkt am Ufer von Loch Ness – und mangels Steckdosen haben wir die Handys gestern einfach früh beiseitegelegt und herrlich tief geschlafen. Im Zelt war es zwar knackig kühl, aber in den Schlafsäcken dafür umso kuscheliger.
Deshalb waren wir früh wach und nach einem schnellen Frühstück ging es direkt zum Glenfinnan-Viadukt. Eigentlich dachten wir, außerhalb der Saison hätten wir unsere Ruhe – Pustekuchen, es war völlig überfüllt. Zuerst gab es keinen einzigen Parkplatz, doch mit etwas Geduld ergatterten wir schließlich eine Lücke auf dem großen Parkplatz, als die ersten wieder fuhren. Da wir satte zweieinhalb Stunden zu früh dran waren, teilten wir uns pragmatisch auf: Andy blieb mit Nala im Auto, schrieb ein paar Artikel und hielt Kontakt zu Kollegen und Freunden daheim.
Michi nutzte die Zeit für die schöne kurze Wanderung, bestaunte die mächtigen Bögen des Viadukts und stieg zum Viewpoint hinauf. Dort auf einem Stein hieß es dann: über eine Stunde warten auf den berühmten Hogwarts-Express. Touri-Modus voll aktiviert. Doch das Warten hat sich gelohnt: Als der Zug schließlich über die Brücke dampfte, dauerte das Spektakel zwar nur einen kurzen Augenblick, aber die Menschenmenge verstummte schlagartig. Absolute Stille, alle haben den Moment einfach nur aufgesaugt und genossen. Es fehlte nur die typische Harry Potter – Musik unter dem Video.
Für Fans: Michi wusste das leider nicht. Gegenüber vom Besucherzentrum ist eine Statue, dahinter ist ein Uferstück. Dieses wurde bei den Harry Potter Drehs ebenfalls verwendet. Alle Drehorte abzuklappern ist als Paar gar nicht möglich, da wir, mit und für Nala, bestimmte Dinge beachten oder Kompromisse finden muss. Völlig in Ordnung so. Wir hatten ja schon viel „Harry Potter“ auf der Reise.
Von den Zauberern, Hexen und magischen Wesen kommen wir morgen zu einem anderen Monster, das wir vielleicht entdecken werden. Wer weiß. Jedenfalls haben wir Schifftickets für eine Überfahrt auf Loch Ness gebucht. Hunde sind erlaubt.
Wieder zurück an unserem Geodom schwang Andy den Kochlöffel und zauberte im Zelt Eierreis mit buntem Gemüse und vegetarischem Schnitzel – unfassbar lecker nach so einem Tag an der frischen Luft. Den Abend ließen wir gemütlich im Trockenen ausklingen, mit bestem Blick auf das abendliche Campingplatz-Kino: Wir schauten den armen Zeltnachbarn zu, die spät nach uns im strömenden Regen und stockdunkler Nacht versuchten, ihre Heringe in den schottischen Boden zu rammen.
Was wir gelernt haben:
Unterschied von Aquädukt und Viadukt:
Das eine transportierte Wasser, das andere dient als Brücke zum Überqueren.
Das Glenfinnan-Viadukt.
Erbaut wurde die Brücke um 1898 von dem schottischen Bauunternehmer Robert McAlpine. Weil er damals als einer der Ersten voll auf das noch neuartige Material Beton setzte, verpassten ihm die Arbeiter den Spitznamen „Concrete Bob“ (Beton-Bob). Das Bauwerk war eine echte Pioniertat: Es besteht komplett aus unbewehrtem Massenbeton – ganz ohne stützende Stahlträger im Inneren. Mit ihren 21 gewaltigen Bögen zieht sich die Brücke in einer weiten, 380 Meter langen Kurve bis zu 30 Meter hoch über das Tal.
Weltberühmt ist das Bauwerk vor allem durch Harry Potter: In den Filmen braust hier der Hogwarts-Express auf seinem Weg zur Zauberschule über die Gleise. Doch den Zug gibt es tatsächlich – von Frühling bis Herbst rollt der historische Jacobite-Dampfzug mit dichten Rauchwolken über McAlpines historische Trasse und lässt Kinomomente lebendig werden.
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