UK 2026 Tag 19 Schottland: Lowther Castle und viel Strecke

UK 2026 Tag 19 Schottland: Lowther Castle und viel Strecke

Manchmal plant man den Tag, und manchmal plant der Tag einfach uns. Für heute hatten wir uns eigentlich vier verschiedene Ziele vorgenommen. Ein straffes Programm für unsere Verhältnisse, aber die Neugier war groß. Am Ende sind wir direkt beim allerersten Halt hängengeblieben: Lowther Castle and Gardens. Und das war die beste Entscheidung des Tages.

Angekommen sind wir erst einmal im Schlosscafé. Wir wurden unglaublich herzlich empfangen und haben den Besuch mit einem richtig guten Kaffee begonnen. Genau dort hatten wir einen dieser wunderbaren Reisemomente, wegen denen wir überhaupt unterwegs sind: ein herrlicher Plausch mit unserem Barista. Er erzählte uns begeistert von seinen eigenen Reisen, dass er gerade erst mit dem Auto quer durch Deutschland gefahren und danach weiter nach Schweden gereist war. Solche spontanen, offenen Begegnungen am Tresen wärmen das Herz und machen das Unterwegssein erst lebendig.

Lowther Castle selbst hat uns vollkommen verzaubert. Die Anlage besitzt eine ganz besondere Magie. Man steht vor dieser gewaltigen Ruine, die mit unendlich viel Hingabe und Feingefühl instand gehalten wird, sodass die altehrwürdige, fast greifbare Atmosphäre überall erhalten bleibt.

Faszinierend ist vor allem die dramatische Geschichte des Anwesens. Im Jahr 1957 wurde dem riesigen Schloss buchstäblich das Dach abgenommen, um die damals erdrückende Gebäudesteuer zu umgehen. Danach war die gesamte Anlage für rund fünfzig Jahre dem Verfall preisgegeben. Die Natur holte sich die Mauern zurück, Sträucher und Bäume wucherten durch die Säle. Erst seit der Jahrtausendwende wird das Areal schrittweise aus diesem tiefen Dornröschenschlaf geweckt. Das Großartige daran ist das Konzept: Man hat das Schloss ganz bewusst nicht historisierend rekonstruiert, sondern als gesicherte, lebendig bepflanzte Ruine belassen. Ein offenes Denkmal unter freiem Himmel.

Für uns mit Nala war die gesamte Anlage ein echter Glücksgriff. Lowther Castle ist ausgesprochen hundefreundlich. Vierbeiner sind hier überall herzlich willkommen, und auf den weitläufigen Wegen zwischen Schlossmauern und Gärten hätte unsere Hundedame jede Menge Platz zum Schnüffeln und Erkunden gehabt.

Unter diesen alten Bäumen stößt man auch auf ein faszinierendes Stück britischer Folklore: den Wunschbaum. An manchen Baumstämmen und liegenden Hölzern sieht man hunderte kleiner Münzen, die tief in die Rinde und das Holz geklopft wurden. Nach altem keltischem Glauben galten Bäume als Wohnstätten von Naturgeistern und Gottheiten. Wer eine Münze in das Holz trieb, hinterließ den Geistern eine Gabe. Im Gegenzug sollte der Baum Krankheiten aufnehmen oder einen Herzenswunsch erfüllen. Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte entsteht so ein fast metallenes Schuppenkleid aus Wünschen und Geschichten vergangener Generationen, das still im Moos ruht.

Das durchweg freundliche und aufmerksame Personal hat unseren Rundgang abgerundet. Ein echtes Highlight für Mensch und Hund und von uns eine uneingeschränkte Herzensempfehlung.

Weil wir die Zeit in Lowther Castle so intensiv genossen haben, wurde der zweite Teil des Tages umso länger. Wir saßen viele Stunden in Pievchen auf der Straße, Kilometer um Kilometer nordwärts, um unser Ziel in Schottland zu erreichen.

Nach der langen Fahrt und den vielen Eindrücken der letzten Tage stand der Plan für den Abend schnell fest: Erst einmal auf dem Campingplatz ankommen und einen kompletten Ruhetag einlegen. Sowohl Nala als auch wir brauchen dringend eine Verschnaufpause, um die Akkus wieder aufzuladen.

Ob wir uns am Ende wirklich an diesen Ruhetag gehalten haben, das werden wir dann sehen.